Überbauungsziffer (ÜZ)
Was ist die Überbauungsziffer?
Die Überbauungsziffer (ÜZ) gibt den Anteil der überbauten Fläche auf einem bestimmten Grundstück an. Sie definiert das Verhältnis zwischen den von Hauptgebäuden, Nebengebäuden und Nebenanlagen beanspruchten Flächen einerseits und der massgebenden Grundstücksfläche andererseits.
Im Gegensatz zur Ausnützungsziffer (AZ), die sich auf die gesamte Geschossfläche bezieht, misst die Überbauungsziffer nur die horizontale Ausdehnung der Bebauung – also den «Fussabdruck» des Gebäudes auf dem Boden.
Normative Grundlage: SIA-Norm SN 504 421
Die Überbauungsziffer ist in der Schweizer Norm SN 504 421 «Raumplanung – Nutzungsziffern» definiert. Diese Norm legt die standardisierten Definitionen und Berechnungsmethoden für Dichtekennziffern in der Schweiz fest.
Berechnung der Überbauungsziffer
Offizielle Formel (gemäss SN 504 421)
ÜZ = GBF / GSF
Wobei:
- GBF = Gebäudegrundfläche (überbaute Fläche)
- GSF = Massgebende Grundstücksfläche
Die Überbauungsziffer wird als Dezimalzahl oder Prozentsatz angegeben. Ein Wert von 0.25 (oder 25%) bedeutet, dass maximal ein Viertel der Grundstücksfläche überbaut werden darf.
Rechenbeispiel
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Grundstücksfläche | 1’200 m² |
| Zulässige Überbauungsziffer | 0.30 (30%) |
| Maximale Gebäudegrundfläche | 360 m² |
Praktisches Beispiel:
Ein Entwickler plant auf einem Grundstück von 2’000 m² ein Mehrfamilienhaus. Bei einer ÜZ von 0.25 darf die Gebäudegrundfläche maximal betragen:
2’000 m² × 0.25 = 500 m² Gebäudegrundfläche
Dies entspricht beispielsweise einem rechteckigen Gebäude von ca. 25 × 20 Metern.
Was zählt zur Gebäudegrundfläche?
Anrechenbare Flächen
Die Gebäudegrundfläche umfasst in der Regel:
- Alle überdachten, geschlossenen Gebäudeteile
- Angebaute Garagen
- Überdachte Eingangsbereiche (je nach Kanton)
- Wintergärten und Veranden
Nicht anrechenbare Flächen (häufig)
- Offene Balkone und Terrassen
- Freistehende Carports (kantonsabhängig)
- Unterirdische Bauten (Tiefgaragen)
- Schwimmbäder und offene Pools
- Pergolen ohne feste Überdachung
Unterschied zwischen Überbauungsziffer und Ausnützungsziffer
Viele verwechseln diese beiden wichtigen Kennzahlen. Hier die klare Abgrenzung:
| Merkmal | Überbauungsziffer (ÜZ) | Ausnützungsziffer (AZ) |
|---|---|---|
| Bezugsgrösse | Gebäudegrundfläche | Bruttogeschossfläche |
| Aussage | Horizontale Ausdehnung | Gesamte nutzbare Fläche |
| Beeinflusst | Freiflächen, Abstände | Geschossigkeit, Volumen |
| Typische Werte | 0.15 – 0.40 | 0.30 – 1.50 |
Zusammenhang der beiden Kennzahlen
Die Kombination von ÜZ und AZ bestimmt indirekt die mögliche Geschossigkeit:
Mögliche Geschosszahl ≈ AZ / ÜZ
Beispiel:
- Grundstück: 1’000 m²
- AZ: 0.6 → Maximale BGF: 600 m²
- ÜZ: 0.3 → Maximale Gebäudegrundfläche: 300 m²
- Mögliche Geschosse: 600 / 300 = 2 Vollgeschosse
Kantonale Bezeichnungen und Regelungen
| Kanton | Bezeichnung | Regelung |
|---|---|---|
| Zürich | Überbauungsziffer | § 259 PBG |
| Bern | Überbauungsziffer | Art. 79 BauV |
| Aargau | Gebäudeflächen-Ziffer | § 34 BauG |
| Basel-Landschaft | Überbauungsziffer | § 54 RBG |
| Thurgau | Überbauungsziffer | § 67 PBG |
| Solothurn | Überbauungsziffer | § 53 KBV |
Hinweis: Die französischsprachigen Kantone (Genf, Waadt, etc.) verwenden den Indice d’occupation du sol (IOS) gemäss SIA-Norm SN 504 421, der dem deutschen Überbauungsziffer-Konzept entspricht.
Typische Überbauungsziffern nach Zonentyp
| Zonentyp | Typische ÜZ | Verbleibende Freifläche |
|---|---|---|
| Kernzone (städtisch) | 0.50 – 0.70 | 30 – 50% |
| Wohnzone W2 | 0.20 – 0.30 | 70 – 80% |
| Wohnzone W3 | 0.25 – 0.35 | 65 – 75% |
| Wohnzone W4 | 0.30 – 0.40 | 60 – 70% |
| Gewerbezone | 0.40 – 0.60 | 40 – 60% |
| Industriezone | 0.50 – 0.70 | 30 – 50% |
Bedeutung für die Projektentwicklung
Einfluss auf die Gebäudeform
Eine tiefe Überbauungsziffer zwingt zu:
- Kompakteren, höheren Gebäuden
- Effizienter Grundrissgestaltung
- Optimierung der Gebäudetiefe
Freiflächen und Grünräume
Die Überbauungsziffer garantiert einen Mindestanteil an unbebauter Fläche:
- Gärten und Grünflächen
- Spielplätze und Begegnungszonen
- Parkplätze (oberirdisch)
- Zufahrten und Fusswege
Städtebauliche Qualität
Gemeinden setzen die ÜZ gezielt ein, um:
- Quartiercharakter zu erhalten
- Durchlüftung und Besonnung zu sichern
- Verdichtung massvoll zu steuern
Praktische Anwendung für Immobilienprofis
Für Makler
Die Überbauungsziffer hilft bei der Einschätzung:
- Ist das Grundstück optimal genutzt?
- Welches Erweiterungspotenzial besteht?
- Wie attraktiv ist die Freifläche für Käufer?
Für Architekten und Planer
- Frühe Machbarkeitsprüfung von Projekten
- Optimierung der Gebäudepositionierung
- Abstimmung mit Grenzabständen und Firsthöhen
Für Entwickler
- Berechnung der maximalen Baukörper
- Vergleich verschiedener Grundstücke
- Wirtschaftlichkeitsanalysen
Häufig gestellte Fragen
Wo finde ich die Überbauungsziffer für mein Grundstück?
Die Überbauungsziffer ist im Zonenplan und Baureglement Ihrer Gemeinde festgelegt. Sie können diese beim kommunalen Bauamt einsehen oder über die kantonalen GIS-Portale online abrufen. Popety zeigt Ihnen die Überbauungsziffer direkt auf der interaktiven Karte an.
Was ist der Unterschied zwischen ÜZ und Grünflächenziffer?
Die Grünflächenziffer definiert den Mindestanteil an begrünter Fläche auf einem Grundstück. Sie ist nicht einfach das Gegenstück zur ÜZ, da auch befestigte Flächen (Wege, Terrassen) weder zur Überbauung noch zur Grünfläche zählen.
Kann ich trotz hoher ÜZ einen grossen Garten haben?
Ja, wenn Sie:
- Ein kompaktes, mehrgeschossiges Gebäude planen
- Die ÜZ nicht voll ausschöpfen
- Unterirdische Bauten (Tiefgarage) nutzen
Werden Tiefgaragen bei der ÜZ angerechnet?
Nein, unterirdische Bauten zählen in der Regel nicht zur Gebäudegrundfläche und werden bei der Überbauungsziffer nicht berücksichtigt. Dies ist ein wichtiger Planungsvorteil bei Verdichtungsprojekten.
Verwandte Begriffe
- Ausnützungsziffer (AZ)
- Bauzone
- Verkehrswert
- Stockwerkeigentum (STWE)
- Gebäudegrundfläche (demnächst)
Überbauungsziffer mit Popety prüfen
Mit Popety Analyse sehen Sie auf einen Blick:
- Zulässige Überbauungsziffer gemäss Zonenplan
- Aktuelle Überbauung der Parzelle
- Freies Potenzial für Anbauten oder Ersatzneubauten
- Vergleich mit benachbarten Grundstücken
- Bruttogeschossfläche (BGF)
- Grünflächenziffer
Identifizieren Sie Grundstücke mit ungenutztem Bebauungspotenzial und optimieren Sie Ihre Prospection.
Quelle: Norm SN 504 421 «Raumplanung – Nutzungsziffern»
Letzte Aktualisierung: Januar 2026. Für verbindliche Auskünfte zu Ihrem konkreten Bauprojekt wenden Sie sich an das zuständige kommunale Bauamt.