Versicherungswert
Der Versicherungswert ist der Wert einer Liegenschaft, der für die Versicherung maßgeblich ist. Er unterscheidet sich vom Marktwert und wird speziell zur Berechnung der Versicherungsprämien und des maximalen Versicherungsschutzes verwendet. In der Schweiz arbeiten Liegenschaftseigentümer und Versicherungen oft mit dem Gebäudeversicherungswert (GVB) oder dem Einheitsbewertungsmodell (ECA) der Kantonalen Gebäudeversicherungen. Ein korrekter Versicherungswert ist entscheidend, um im Schadensfall vollständig gedeckt zu sein.
Das Gebäudeversicherungswert-System
Der GVB ist das Standard-Bewertungssystem der meisten Kantonalen Gebäudeversicherungen in der Schweiz. Er wird auf Grundlage von Wiederbeschaffungskosten berechnet und basiert auf einheitlichen Kostenkennwerten pro Kubik- oder Quadratmeter. Der GVB berücksichtigt die Gebäudenutzung (Wohngebäude, Geschäftsgebäude, Industriegebäude), die Konstruktion (Holz-, Stein-, Stahlbeton-Konstruktion), das Alter und die Ausstattung. Diese systematische Berechnung ermöglicht eine objektive und vergleichbare Wertbestimmung über verschiedene Regionen und Kantone hinweg.
Unterschied zum Verkehrswert und Realwert
Der Versicherungswert basiert auf Wiederbeschaffungskosten und unterscheidet sich daher erheblich vom Verkehrswert, der dem aktuellen Marktwert entspricht. Eine alte Villa in exklusiver Lage kann einen hohen Verkehrswert, aber einen niedrigeren Versicherungswert haben. Umgekehrt kann ein zweckmäßiges Wohnhaus einen geringeren Marktwert als seinen Versicherungswert haben. Der Realwert liegt konzeptionell zwischen Verkehrswert und Versicherungswert und wird für verschiedene Bewertungszwecke herangezogen.
Kantonal unterschiedliche Gebäudeversicherungen
Jeder Kanton in der Schweiz hat seine eigene Gebäudeversicherungsanstalt (mit Ausnahme von Genf und Wallis, die ein Versicherungsobligatorium für private Anbieter haben). Daher können die Versicherungswert-Berechnungen und Prämioenmodelle kantonal unterschiedlich ausfallen. Einige Kantone verwenden modernisierte Kostenkennwerte, während andere ihre Systeme in letzter Zeit nicht aktualisiert haben. Liegenschaftseigentümer sollten sich bei ihrer kantonalen Gebäudeversicherung informieren, wie der Versicherungswert konkret berechnet wird.
Berechnung und Aktualisierung des Versicherungswerts
Der Versicherungswert wird anhand von Grundflächen, Kubaturen und Kostenkennwerten berechnet. Umbauten, Renovationen und strukturelle Änderungen können den Versicherungswert erhöhen. Eigentümer sind verpflichtet, Änderungen ihrer Liegenschaft der Gebäudeversicherung zu melden. Eine zu niedrige Bewertung führt zu Unterversicherung im Schadensfall, während eine zu hohe Bewertung zu unnötig hohen Prämien führt. Regelmäßige Überprüfungen und Meldungen von Veränderungen sind daher wichtig.
Bedeutung für Immobilienbewertung und Finanzierung
Der Versicherungswert ist nicht nur für die Prämiberechnung relevant, sondern beeinflusst auch die Gesamtbewertung einer Liegenschaft. Banken und Hypothekargeber berücksichtigen den Versicherungswert bei der Kreditvergabe. Ein hoher Versicherungswert kann ein Indikator für einen guten Bauzustand sein. Bei der Immobilienbewertung wird der Versicherungswert als eine von mehreren Referenzgrößen herangezogen, um einen realistischen Wert zu ermitteln. Eine Abstimmung aller relevanten Wertbegriffe ist für eine vollständige Liegenschaftsbewertung essentiell.